Sicherheitseinweisung

An Deck

Großbaum Nicht nur für "Anfänger" an Bord, sondern auch für erfahrene Segler ist der Großbaum - wie sich aus der Bordpraxis zeigt - immer wieder eine nicht zu unterschätzende Gefahrenquelle. Auf die Möglichkeit des unerwarteten Überkommens des Großbaums, insbesondere bei Raum- und Vorwindkursen, und die daraus resultierende Gefahr für den Kopf bzw. das Überbordgehen hierdurch wird während der Sicherheitseinweisung hingewiesen. Auch beim Liegen im sicheren Hafen sollte man beim Aufstieg aus dem Niedergang unbedingt auf den Großbaum achten.
Ruder/
Ersatzruder
Der Ausfall des Ruders ist eine Notsituation, die sofortiges Handeln vor allem dann erfordert, wenn sich das Schiff im Fahrwasser oder beim Manövrieren im Hafen befindet. Bei Ausfall der Rudermechanik kann diese durch Aufsetzen einer Notpinne überbrückt werden. Damit im Ernstfall schnellstmöglich wieder ein steuerfähiger Zustand hergestellt werden kann, wird der Aufbewahrungsort und die Handhabung der Notpinne bei der Sicherheitseinweisung demonstriert.
Winschen Die an den Segeln und somit auf die Winschen übertragenen Kräfte werden im allgemeinen weit unterschätzt. Die Funktionsweise, das korrekte Belegen und das kontrollierte Lose-Geben einer auf der Winsch belegten Schot werden bei der Sicherheitseinweisung ausführlich demonstriert. Der Zug eines Segels kann bei nicht korrekt belegter Winsch beim Hantieren mit der Schot zu ernsthaften Handverletzungen bzw. beim unkontrollierten Ausrauschen der Schot zu Verbrennungen führen! Ebenfalls hingewiesen wird auf die von im Wind schlagenden Segeln ausgehende Gefahr. Verletzungen kann hier insbesondere das "Schothorn" der Fock (hintere untere Ecke des Vorsegels), da dies meist mit einer Metallkausch versehen ist.
Motorstart/
Gashebel
Der Motor ist nicht nur komfortabel beim Manövrieren des Schiffes, sondern die wichtigste Sicherheitseinrichtung an Bord. Jedes Crewmitglied sollte daher den Start- und Stopvorgang kennen. Dieser ist wie folgt:

Starten:

  • Knopf am Gashebel eindrücken (auskuppeln), Hebel leicht nach vorne neigen
  • Zündschlüssel einstecken und in erste Stellung drehen, Pfeifton abwarten, dann  kurz (wiebeim Auto) zum Anlassen des Motors den Schlüssel weiterdrehen. Sofort loslassen, wenn der Motor angesprungen ist (ebenso wie beim Auto)
  • Verlöschen der Kontrollampen kontrollieren, auf Motorgeräusch, Kühlwasser-  austritt, Abgasfarbe achten.
Stoppen:
  • Gashebel in Mittelstellung bringen (Neutralstellung), so daß der Motor auf Leerlauf-  drehzahl läuft
  • Stoppzug ziehen bzw. Stoppknopf eindrücken, bis der Motor ausgeht, dann Stoppzug wieder  zurückschieben
  • Sobald der Pfeifton ertönt (und erst dann!), kann der Zündschlüssel zurückgestellt und  abgezogen werden
  • Keinesfalls den Motor mit dem Zündschlüssel ausschalten (dies unterscheidet sich  grundsätzlich vom Stoppen des Motors beim Automotor !)
Rettungsinsel Die Rettungsinsel ist das wichtigste Rettungsmittel und wird erst dann benutzt, wenn das eigene Schiff unmittelbar zu sinken droht. Die Rettungsinsel befindet sich in einem Container oder Tasche, welche im Gebrauchsfalle ins Wasser geworfen wird. VORHER ist jedoch unbedingt die Sorgleine der Rettungsinsel fest an Bord zu belegen ! Schwimmt die noch verpackte Insel im Wasser, wird durch weiteres Ziehen an der Sorgleine der Aufblasemechanismus ausgelöst. Das Weitere regelt die Notrolle "Verlassen des Schiffs". Der Aufbewahrungsort der Rettungsinsel wird bei der Sicherheitseinweisung demonstriert.
Fallen An beiden Seiten des Niedergangs sind Klemmen angebracht, mit dem sich die Fallen, die Dirk und die Bedienungsleinen für Traveller und Rollfock festsetzen lassen angebracht. Die Kenntnis der Lage der Klemmen bzw. der Funktion der dort laufenden Leinen ist nicht nur für die sichere Durchführung eines Segelmanövers notwendig. Beim unbeabsichtigten Lösen der Dirk kann z.B. der Großbaum in das Cockpit fallen und Verletzungen verursachen. Bei der Sicherheitseinweisungen werden die einzelnen Klemmen demonstriert und, um Verwechslungsgefahr zu vermeiden, mit Klebeband und Aufschrift gekennzeichnet.
Einpicken Bei Dunkelheit und schwerem Wetter werden Sicherheitsgurte ("Life-Belts") getragen, deren Leine mittels eines Karabinerhakens an geeigneten Stellen an Bord eingepickt wird. Hierdurch besteht ständig eine Verbindung zum Schiff und ein Überbordfallen ist unmöglich. Geeignete Stellen zum Einpicken werden im Rahmen der Sicherheitseinweisung demonstriert. Sollte das Verlassen des Cockpits bei schwerem Wetter oder Dunkelheit nötig werden, wird demonstriert, wie man sich mittels zweier Sicherheitsleinen (eine ist ständig eingepickt) zum Vorschiff bewegen kann.
Gehen an
Deck
Sollte man bei Krängung und Seegang an den Mast und auf das Vorschiff gehen müssen, sollte man möglichst seinen Schwerpunkt möglichst tief halten, d.h. gebückt gehen. Auch während des Arbeitens an Deck gilt der Spruch "Eine Hand für´s Schiff, eine Hand für einen selbst". Wie dies im Einzelnen aussieht, wird bei der Sicherheitseinweisung demonstriert.
Anker Das Segelschiff verfügt i.d.R. über einen größeren Bug- und einen kleineren Heckanker. Ab einer bestimmten Schiffsgröße ist meist eine elektrische Ankerwinsch vorhanden, die die Ankermanöver erheblich erleichtert. Auch für die Ankerwinsch gilt, daß man die dort wirkenden Kräfte und die damit verbundenen Verletzungsrisiken nicht unterschätzen sollte. Nur im Falle einer Betriebsstörung und auch dann nur mit äußerster Vorsicht sollte man mit den Händen an der Ankerkette hantieren. Ein Plötzliches Anheben des Bugs durch eine Welle bei noch außenbords hängender Ankerkette kann bereits eine Einklemmung verursachen! Die Ankerwinsch wird vor Benutzung durch Betätigung der entsprechenden Sicherung am Kasten über der Navigationsecke ein- und nach Benutzung wieder ausgeschaltet. Das Fallen und Aufholen des Ankers wird mit einem kleinen Handgerät, welches an der Winsch eingesteckt wird, gesteuert. Die korrekte Bedienung der Ankerwinsch und das Sichern/Entsichern des Ankers im Bugbeschlag wird bei der Sicherheitseinweisung demonstriert.
Gasflasche Die Gasflasche ist zumeist in einer speziell dafür eingerichteten Ablage im Cockpit gelagert. Unmittelbar an der Gasflasche ist ein Druckminderer, über den die Gaszufuhr auch komplett abgestellt wird, wenn die Gasanlage nicht benutzt wird. Näheres hierzu s.u. "Herd/Gasanlage".

Unter Deck

Kochen an
Bord
Der Herd wird auf Schiffen mit einer Flüssiggasanlage betrieben. Da Gas explosiv ist, ist beim Umgang mit der Gasanlage besondere Vorsicht angebracht. Das Gas befindet sich in einer Gasflasche, welche i.d.R. in einer separaten Kiste im Cockpit gelagert wird. Unmittelbar an der Gasflasche befindet sich ein Absperrhahn. Eine Kupferleitung führt in das Schiffsinnere zum Herd, wo nochmals ein Absperrhahn angebracht ist. Am Ende des Kochvorganges wird zuerst der äußere Absperrhahn unmittelbar an der Gasflasche geschlossen. Man läßt dann die Flamme am Gasherd so lange brennen, bis diese erlischt. Nur so kann sichergestellt werden, daß sich während der Zeit der Nichtbenutzung kein Gas in der Leitung befindet. Sicherheitshalber wird danach auch der am Herd befindliche Absperrhahn geschlossen. Die Lage des Absperrhahns und die Verfahrensweise bei Inbetriebnahme bzw. bei Außerbetriebnahme der Flüssiggasanlage wird bei der Sicherheitseinweisung demonstriert.
Funkgerät/
Funkspruchtafel
Die Seefunkanlage ist die wichtigste Einrichtung, um im Seenotfall Hilfe herbeizuholen. Auf Charterschiffen ist in der Regel eine auch für Laien relativ einfach zu bedienende UKW-Funkanlage an Bord. Außer im Notfall darf die Funkanlage nur mit einem entsprechenden Seefunkzeugnis benutzt werden. Das Absetzen eines Notrufes mittels der UKW-Funkanlage muß von jedem Crewmitglied beherrscht werden. Bei der Sicherheitseinweisung wird die Handhabung des Geräts demonstriert. Die korrekte Abgabe eines Funkspruchs im Seenotfall ist auf einer ständig im Kartentisch liegenden Tafel dokumentiert, von der im Ernstfall der korrekte Funkspruch abgelesen werden kann.
GPS und
MOB-Taste
Das GPS-Gerät (Global Positioning System) ist zeigt mittels Satellitennavigation jederzeit die aktuelle Position des Schiffes an. Für den Fall, daß eine Person über Bord fällt, ist es von immenser Bedeutung, den aktuellen Standort schnell festzuhalten. Hierzu gibt es auf allen GPS-Empfängern eine besondere, zumeist rot gekennzeichnete, Taste. Bei Betätigung der sogenannten MOB-Taste (Man-over-board) wird die aktuelle Position im Gerät gespeichert und daraufhin ständig der Weg zurück auf den Punkt, an dem die Taste gedrückt wurde, angezeigt. Jedes Crewmitglied muß das Gerät und die Lage der Taste kennen, um diese im Notfall bedienen zu können.
Raketen Die Seenotsignalraketen sind im Seenotfall neben dem Funkgerät das effektivste Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen und Hilfe herbeizuholen. Es sind i.d.R. Fallschirmsignalraketen mit einer längeren Sichtdauer und Raketen, die lediglich "Sterne" schießen, an Bord. Im Seenotfall werden ausschließlich rote Lichtsignale verwendet. Raketen sollten nur abgeschossen werden, wenn die konkrete Hoffnung besteht, daß das Signal auch gesehen wird. In diesem Fall sollten in wenigen Minuten Abstand zwei Signale abgegeben werden, um beim zweiten "Schuß" dem zu Hilfe kommenden Schiff eine gute Peilung zu ermöglichen. Die Raketen befinden sich in einer separaten Plastikkiste, welche in der Nähe der Navigationsecke gelagert wird. Der Standort der Kiste sowie die prinzipielle Handhabung der Raketen wird bei der Sicherheitseinweisung demonstiert.
Feuerlöscher Feuer ist ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko an Bord. Ein Drittel aller Havarien auf See sind auf Feuer zurückzuführen! Die meisten Brände an Bord enstehen durch Kurzschlüsse der elektrischen Anlage. Nicht nur im Interesse der übrigen Crew ist daher auch das Rauchen unter Deck streng verboten! Auf den meisten Schiffen sind an Bord zwei Feuerlöscher angebracht, deren Lage und Handhabung bei der Sicherheitseinweisung demonstriert wird. Fast immer sind diese als Pulverlöscher ausgeführt. Die Wurfweite beträgt ca. 5 Meter, die Sprühdauer zwischen 7 und 15 Sekunden. Es sei darauf hingewiesen, daß im Brandfalle der Sprühstoß nicht in die Flammen sondern immer direkt auf das brennende Material zu richten ist. Im Brandfalle sollten alle Luken geschlossen werden, um dem Feuer den Sauerstoff zu entziehen. Das Verhalten der einzelnen Crewmitglieder bei Feuer ist in der Notrolle "Feuer an Bord" festgelegt.
Rettungswesten Für jedes Crewmitglied ist eine Rettungsweste an Bord. Heutzutage handelt es ich fast immer um automatische Westen, die sich bei Kontakt mit Wasser von alleine mittels einer CO2-Patrone selbständig aufblasen. Im Rahmen der Sicherheitseinweisung wird das An- und ablegen der Weste geübt und jedes Crewmitglied paßt die fortan benutzte persönliche Weste an die jeweilige Körpergröße an (mittels Einstellung der Gurte). Die Einstellung sollte so gewählt werden, daß die Weste, wenn sie über das Ölzeug angezogen wird, straff, aber nicht beengend sitzt.
Seeventile Seeventile sind überall dort angebracht, wo Wasserleitungen vom Schiffsinnern nach außen durch die Bordwand velaufen, so z.B. bei der Spüle, im WC und Dusche sowie im Motorraum (Kühlwasser). Die häufigste Ursache für Wasser im Schiff sind nicht Lecks im Rumpf, sondern versehentlich offen gelassene oder defekte Seeventile! Grundsätzlich werden vor dem Auslaufen alle Seeventile geschlossen. Hiervon ausgenommen sind die Seeventile für Kühlwasserein- und Austritt im Motorraum. Daher ist es absolut notwendig, daß jedes Crewmitglied die Lage und den Verschlußmechanismus aller Seeventile kennt, um diese selbständig zu finden und bedienen zu können. Bei nahezu allen Typen von Seeventilen gilt das Prinzip, daß bei einem geöffneten Seeventil der dazugehörige Hebel in Richtung des angeschlossenen Rohrs zeigt; in geschlossenem Zustand steht er senkrecht dazu. Bei der Sicherheitseinweisung wird die Lage und Funktion aller Seeventile demonstriert.
Bordtoilette Fast alle Bordtoiletten funktionieren nach demselben Prinzip: neben einem Pumpkolben befindet sich ein Kipphebel. In der einen Hebelstellung wird sowohl Wasser nach innen gepumpt als auch der Toiletteninhalt nach außen gepumpt. In der zweiten Stellung wird ausschließlich der Toiletteninhalt nach außen gepumpt. Man sollte also beim Spülen der Toilette zuerst einige Pumphübe mit der erstgenannten Hebelstellung machen, daraufhin dann in der zweiten Hebelstellung so lange Pumpen, bis die Toilette (fast) leer ist. Ein kleiner Rest klares Wasser kann verbleiben, denn die Pumpe sollte nicht in leerem Zustand betätigt werden. Leider sind Bordtoiletten stör- und Verstopfungsanfällig. Ihre "Kapazität" ist keinesfalls mit der an Land benutzter Toiletten zu vergleichen. Mit dem dafür vorgesehenen Inhalt wird die Bordtoilette in der Regel problemlos fertig. Das Hauptproblem ist das Toilettenpapier, welches, sparsamst verwendet, nur in EINZELNEN Blättern über die Toilette entsorgt werden darf. Sicherheitshalber sollte das Toilettenpapier Stück für Stück in Intervallen außenbords gepumpt werden. Außer dem eben Genannten darf absolut nichts anderes in die Bordtoilette gelangen ! Beim Pumpen sollte man darauf achten, daß dieses langsam, gleichmäßig und mit kontrolliertem Druck bzw. Zug erfolgt. Ruckartige Bewegungen, Reißen oder schnelles Pumpen führt zu Zerstörungen der Pumpe (am häufigsten reißt der Griff vom Ende des Pumpkolbens ab). Es versteht sich von selbst, daß die Bordtoiletten im Hafen und in Küstennähe nicht benutzt werden, es sei denn, es ist ein Fäkalientank an Bord.
Lenzpumpe Falls Wasser ins Schiff dringt, kann dieses mittels einer manuellen oder elektrischen Lenzpumpe abgepumpt werden. Die Standorte der Pumpen und die Bedienung werden demonstriert. Falls tatsächlich ein auch nur kleines Leck entstanden ist, wird zusätzlich jedoch fast immer das Lenzen mittels eines Eimers ("Pütz") notwendig sein. Ein Crewmitglied in Angst schafft mit dem Eimer in der Hand ca. die zehnfache Wassermenge in der gleichen Zeit außenbords wie eine Lenzpumpe!



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