Überbordfallen

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urch Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen kann das Überbordfallen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verhindert werden. Die Chance eines Überbordgefallenen bei Nacht und und Seegang von der Crew wieder gefunden zu werden, ist unter 1%! Aus diesem Grunde ist das Tragen von Rettungsgurten ("Life-Belts") bei starkem Seegang und bei Nacht grundsätzlich Pflicht! Jedes Crewmitglied sollte darüberhinaus idealerweise über eine Handblitzleuchte (evtl. in Kombination mit einer Taschenlampe) verfügen.

Sollte der Fall des Überbordgehens dennoch eintreten, sollte man möglichst sparsam mit den Körperkräften und der Körperwärme umgehen. Die größte Gefahr ist die Auskühlung. Das Nachschwimmen oder Anschwimmen eines Rettungsmittels sollte nur erfolgen, wenn dies innerhalb weniger Minuten zum Erfolg führen würde. Ansonsten sollte man an Ort und Stelle verbleiben und eine gebeugte Körperhaltung mit angezogenen Beinen einnehmen, um die Körperoberfläche möglichst klein zu halten. Keinesfalls sollte durch Bewegen versucht weden, Körperwärme zu erzeugen, denn der Wärmeverlust an das umgebende Wasser bei Bewegung würde die eigene Wärmeproduktion weit überwiegen. Die komplette Kleidung sollte daher anbehalten werden. Wichtig ist, den Kopf zu bedecken, da ca. 30% der Körperwärme über den unbedeckten Kopf verloren geht! Nur wenn Aussicht auf Erfolg besteht, sollte man durch Rufen und Winken auf sich aufmerksam machen. In jeder Rettungsweste befindet sich eine Sennotsignalpfeife. Deren hochfrequenter Ton ist oftmals bei Wind und Wellengeräuschen besser zu hören.

Sofortmaßnahmen Sollte eine Person trotz aller Vorsichtsmaßnahmen über Bord fallen, ist sofortiges Handeln der Crew nötig. Damit im Ernstfall jedes Crewmitglied den Ablauf eines Mann-Über-Bord-Manövers kennt, wird dieses hier kurz erläutert:

  1. Lauter Ruf: "Mann über Bord". Alle Crewmitglieder kommen sofort an Deck.
  2. Hinterherwerfen eines Rettungsmittels, evtl. mitausrauschender Leine
  3. Betätigung der "Mann-über-Bord Taste des GPS-Navigators
  4. Ein Crewmitglied wird bestimmt, das die über Bord gefallene Person ständig im Auge behält und mit dem Arm in ihre Richtung zeigt.
  5. Das Mann-über-Bord-Manöver wird eingeleitet und die über Bord gefallene Person geborgen. Für Punkt 1. bis 4. sollten insgesamt nicht mehr als 5 Sekunden vergehen !

Das Manöver

Für das Fahren des Mann-über-Bord-Manövers gibt es viele verschiedene Varianten und Ansichten. Da der Zeitfaktor und somit das Entfernen von der über Bord gegangenen Person (während der Weiterfahrt des Schiffes) von absolut entscheidender Bedeutung für den Erfolg der Rettungsaktion ist, wird pragmatischerweise in der Praxis das einfachste, sicherste und schnellste Manöver gefahren.

Bei Fahrt unter Segeln wird das fast immer das sofortige Beiliegen sein, d.h. man fährt sofort nach dem Ruf "Mann-über-Bord" eine Wende, ohne an der Segelstellung bzw. den Schoten etwas zu verändern. Die Fock steht dann fixiert auf der Luvseite des Schiffes ("Fock steht back"), während der Großbaum von alleine die Seite gewechselt hat. Dadurch fährt das Schiff weder vorwärts noch rückwärts, sondern wird sich langsam auf die in Lee befindliche über Bord gefallene Person zubewegen. Sofort nach dem Beidrehen wird zusätzlich die Maschine gestartet, um korrigierend eingreifen zu können. Dieses Manöver hat folgende Vorteile:

Quick Stop-Manöver

Die "elegante" Version des Mann-über-Bord Manövers ist das Quick-Stop-Manöver. Hierfür wird lediglich nach dem Beidrehen (wie oben) weitergefahren und eine Halse durchgeführt. Nach der Halse kann man mit einem Aufschießer der über Bord gefallenen Person nähern. Dieses Manöver beinhaltet jedoch eine Halse. Bei Starkwind muß muß daher die Großschot unbedingt sehr dicht geholt werden!

In der Praxis wird man zusätzlich fast immer die Maschine zur genauen Ansteuerung der über Bord gegangenen Person zu Hilfe nehmen. Alle anderen in der Literatur beschriebenen und in den Segelschulen gelehrten bzw. geprüften Manöver sind nach der Ansicht des Autors völlig obsolet !




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